24-Stundenlauf 2016 in Delmenhorst

Laufen, laufen, laufen, 24 Stunden immer nur laufen! Dieser Herausforderung wollten wir uns beim diesjährigen Burginsellauf in Delmenhorst stellen. Bereits am Freitagnachmittag fuhren wir zu viert, als „Vorauskommando“ auf die Burgwiese, um zwei Wohnwagen nebst Vorzelten aufzubauen. Nach getaner Arbeit ließen wir den Abend mit Pizza und Rotwein ausklingen. In den Samstag starteten wir mit einem herrlichen Frühstück, inkl. der obligatorischen Rühreier (vielen Dank, Ramona)! 

Nach und nach trudelten alle Teilnehmer unserer Gruppe ein und die Zeit bis zum Start verging wie im Flug. Kurz vorher wurden noch Bilder von allen Teams geschossen und wir richteten uns am Rande der Wechselzone häuslich ein.

Da Lucia sich um die Anmeldung gekümmert hatte, durfte sie für uns als Startläuferin auf die Strecke gehen. Danach war ich an der Reihe und dann Mark. Keiner hat es in den folgenden 24 Stunden geschafft, seine Rundenzeit von 4:55 zu unterbieten. Nach und nach kam jeder an die Reihe, Matthias, Nadin, Frank, Ramona, Jan und Nicole…und dann wieder von vorn! Bei einer durchschnittlichen Rundenzeit von sechs Minuten, hatte jeder eine Pause von etwas mehr als einer dreiviertel Stunde. Zu lange um warm zu bleiben, zu kurz um sich zu erholen. So sah unsere Taktik nach einer dreistündigen gemeinsamen Startphase, eine Art Schichtenmodell vor. Drei von uns laufen, der Rest ruht sich aus. Die Schichten waren zwischen zwei- und dreieinhalb Stunden lang, nach spätesten 90 Minuten wird ein Läufer ausgetauscht. So kamen wir gut über den Abend und die Nacht. Ab 10:00 Uhr am Sonntagmorgen, wollten wir wieder alle gemeinsam, abwechselnd laufen.

Als Ziel hatten wir uns 240 Kilometer ausgemalt, also durchgängig einen Schnitt von 6min/km. Sehr überrascht waren wir, das sich nach einigen Stunden, ein Rundenschnitt von etwa 5min/km einstellte. Wie lange würden wir das durchhalten können?

 Im Laufe des Nachmittages wechselte auch das Wetter von Sonnenschein zu Starkregen. Die Strecke verwandelte sich blitzschnell in eine einzige Wasserstraße. Man möge sich vorstellen wie es sich anfühlt, in unter 6 Minuten 1200m zu rennen und dann etwa 11 bis 12 Minuten zu warten…im Dauerregen und das über Stunden. Heute, hier vorm PC kann ich sagen, es war nicht so schlimm. Als ich triefnass, im strömenden Regen in der Wechselzone stand, hättet ihr eine andere Antwort bekommen. Aber auch meine Schicht ging mal zu Ende und nach etwas warmen zu Essen und einer heißen Dusche konnte ich mich in Marks gemütlichem Mobilheim etwas niederlegen. An tiefen Schlaf war aber nicht zu denken, es herrschte etwa die Geräuschkulisse des Münchner Oktoberfestes. Irgendwann bin ich dann doch etwas eingeschlafen, wurde aber durch das, doch sehr schöne Feuerwerk aus den Träumen gerissen. Es war auch schon wieder Zeit sich frische Laufklamotten anzuziehen und auf den Weg zu machen. Leider hatte es wieder angefangen zu regnen und ich konnte niemand überzeugen, für mich laufen zu gehen ;-)

Dass man nach so einer Ruhepause nicht gleich auf der ersten Runde volle Kanne rennen sollte, weiß ich jetzt auch. No Pain, no Game! 

Zwischendurch gingen wir immer wieder zum Anzeigebildschirm und informierten uns über den Stand des Rennens. Einen Platz rauf, einen runter…zwei rauf, einen runter…wir waren gar nicht so schlecht. Uns wurde langsam klar, dass wir unser gestecktes Ziel „locker“ erreichen konnten. Also, neues Ziel: 270km!  

Es war schon drei Uhr vorbei, als Frank, meine Ablösung kam. Im Info-Zelt gab es die ganze Nacht frischen Kaffee und immer etwas zu essen, wovon ich jetzt erstmal Gebrauch machte. Danach, ich war ja wieder nass bis auf die Knochen, eine heiße Dusche. So richtig müde fühlte ich mich aber nicht und daddelte noch etwas auf dem Handy rum. Aber wer sollte um diese Zeit auf WhatsApp antworten? Gegen half fünf machte Matthias die Koje frei und ich legte mich nochmal etwas aufs Ohr. Lange schlafen konnte ich nicht und stand um kurz nach sieben wieder auf. Ich schaute in der Wechselzone vorbei und ging nochmal etwas essen.

Um kurz nach acht übernahm ich Lucias Platz im Rennen und um 09:00 Uhr hatten wir schon 245km auf der Uhr! Noch drei Stunden Zeit, da wären auch 275km zu schaffen? Oder mehr???

Ab 10:00 Uhr fanden sich wieder alle in der Wechselzone ein, wollten wir doch die letzten beiden Stunden wieder gemeinsam, abwechselnd laufen. Um halb zwölf ging leider wieder ein heftiger Regenschauer über uns nieder, aber was sollte uns jetzt noch schocken! Die Euphorie ließ bei uns keinen Raum für den Regen. Die Wechselzone platzte mittlerweile aus allen Nähten, waren doch alle Teams komplett vertreten plus Betreuer und Zuschauer. Schaffen wir die 280km?  

Da wir vor 24 Stunden mit Lucia ins Rennen eingestiegen sind, geht sie auch kurz vor 12 für uns auf die letzte Runde. Wir machen uns ebenfalls auf den Weg und gehen ihr entgegen, da die Zeit zu knapp für die ganze Runde war. Und dann kommt die Hupe, das Rennen ist vorbei.

Wir sind bei Lucia angekommen und fallen uns alle um den Hals. Wir haben es geschafft, wie viele Kilometer werden es genau sein? Es dauert noch eine ganze Weile, bis der Vermesser bei uns ankommt und den genauer Zielpunkt aufnimmt.

Es sind 282,755km geworden. Das sind 5:05,6min/km im Durchschnitt, 24 Stunden lang! Wahnsinn, das hätten wir alle nicht für möglich gehalten!


Ich persönlich fand es eine super Sache und es hat sooo viel Spaß gemacht! Es war eine ganz besondere Stimmung bei diesem Rennen und zu jeder Uhrzeit ein bischen anders, aber immer schön. Wenn ich so daran denke, bekomme ich jetzt noch Gänsehaut!


Bernd

 

 

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