“Es ist nie zu spät.....“

(außer man möchte Ende November noch in die Jahreschronik)

 

 

Laufbericht eines „alten“ Neueinsteigers.                                 Erstellt: Dez. 2004

 

Sommer 2003.

57 Jahre alt ziehe ich  Sportschuhe an und möchte es erstmals mit dem Laufen probieren. Die Frage, wieso erst im späten Alter, sind mit gesundheitlichen Problemen verknüpft. Ich weiß heute nicht mehr so genau wie weit ich gekommen bin, ich meine mich zu erinnern, dass es etwa 1000 Meter waren, natürlich nicht in einem Stück, sondern wohl mit ca. 4 Pausen. Trotz des einsetzenden Muskelkaters bin ich in den nächsten Tagen immer wieder in den Sandkruger Wald, um zu laufen.

Irgendwann stellte ich fest, es tat mir eigentlich nichts weh, also Laufstrecke verlängern  und dranbleiben. So war das Ergebnis nach ca. 5 Wochen für mich  schon  recht erstaunlich, nämlich 5 Kilometer am Stück. Die Feststellung für mich: „ Mehr als 5 Kilometer will ich aber nicht.“ Es ist halt ja nur so zum Spaß, und beweisen brauchte ich mir eigentlich auch nichts.

 

Wie ist es wohl, einmal einen Volkslauf mitzumachen, und schon hatte ich mich beim Wildeshausener Nikolauslauf über 5 Kilometer angemeldet. Nachdem ich eine Zeitlang  Lisa  und Hergen Wolf noch in Sichtweite hatte, kam ich mit einer Zeit von 26:26 Minuten ins Ziel. (Hergen ist jetzt nach einem Jahr völlig außer Sichtweite). Ich glaube, für mich eine gar nicht so schlechte Zeit. Irgendwie muss die Sache doch wohl Spaß gemacht haben, denn der nächste Lauf war die Sandkruger Schleife. Kurz vor dem Ziel, am Stadioneingang, drehte sich mir der Magen um und es kam zu einer kleinen Zwangspause. (Jetzt geht das auch ohne Pause, dazu später mehr). So ist das halt, wenn man unerfahren zu schnell die 5 Kilometer angeht. Die Quittung folgte auf dem Fuße. Etwa 5-6 Läufer zogen wieder an mir vorbei, im Ziel war trotz leichter Blässe die Zeit recht ordentlich, 25:26 Minuten.

 

Die Trainingstrecke verlängerte sich in den Wintermonaten 2003/04. Irgendwann war ich dann bei 10 Kilometer. Sollte man vielleicht einmal die 10 Kilometer beim Volkslauf  ausprobieren? Den Hinweis, 5  Kilometer laufen nur Fußkranke und alte Leute“, habe ich natürlich nicht erst genommen. Ein Freund riet mir zu, und auf ging es zum Vfl nach Oldenburg. Was für ein Gefühl, Tartan unter den Sohlen. Gestecktes Ziel, wenn möglich , unter 1 Stunde. Ich glaube, ich bin noch nie unter so schwierigen Umständen zu Wöbken gekommen, und ich habe auch geglaubt, dass ich in dem fortgeschrittenen Alter schon aus dem Becher trinken kann, aber beim Laufen ist halt alles anders. Das Ziel wurde erreicht  in 59:30 Minuten  “ Mehr als 10 Kilometer will ich aber nicht.“

 

War ich  infiziert vom Laufen?  Es folgte der Lauf in Westerstede. Meinen Laufrythmus fand ich zu Beginn mit 3 Laufdamen aus Emden, davon „zog“ mich Elvira bis ins Ziel, mit einer neuen PB von 54:20. Zeitverbesserung zum vorherigen Lauf, 5:10 Minute, unglaublich. Eine herzliche Umarmung an Elvira war der Dank, und ich war sehr glücklich.

Resümee: “Man muss im Leben nur den richtigen Frauen hinterherlaufen, dann hat man auch Erfolg.“

 

Juni, Lauf in Wildeshausen, 11,5 Kilometer, Zeit: 1:01:24 Regenwetter-Suddelkram.   Mehr als 11.5 Kilometer will ich aber nicht.“  Vorsatz: In Zwischenahn läufst du aber nicht.

   

Eine Woche später Zwischenahner Meerlauf, 12 Kilometer, Zeit 1:04:28

„Mehr als 12 Kilometer will ich aber nicht.“

6 Monate sind jetzt vorbei, jeder Lauf PB, kann das eigentlich so weitergehen?

In einem  Gespräch mit Ursel und  später Axel, (beide kannte ich schon) wurde mir geraten, doch beim TSG in das Trainingsprogramm der Leichtathleten einzusteigen, Bahntraining würde sicherlich noch bessere Zeiten bringen. Darüber hinaus hätte man montags noch den Waldlauf. Gesagt, getan, lt. TSG Zeitschrift, montags 18:45 Waldlauf, Startort  Turnhalle. Ich fahre 2 Minuten vorher auf den Parkplatz, sehe so 6-8 Sportler dort stehen,(nicht unbedingt in Laufkleidung und Herrn Schrammek dabei) die sich schon in Bewegung setzten, bevor ich das Auto abgeschlossen habe. Also Tür zu und hinterher. Kurz vor der Autobahn wird gestoppt für Stretchingübungen. Die Frage, ob ich denn wirklich mit den Handballern laufen wollte, musste ich verneinen, aber jetzt war es auch zu spät. (Im Zusammenhang mit Herrn Schrammek hätte ich auch auf die Idee kommen können, dass dies nicht unbedingt die Laufgruppe war). Später habe ich dann auch erfahren, dass die Läufer erst um 19 Uhr starten.

 

Die nächste Woche also zur rechten Zeit am rechten Ort. „Wir laufen immer die Schleife als Trainingslauf“ hörte ich,  na ja, wenn ich die 12 Kilometer in Zwischenahn schaffe, werde ich auch wohl die 13 als Trainingsschleife  schaffen. Wer jedoch  als Neuling mit Axel, Rüdiger, Markus, Sven, Ferdi usw. läuft, hat jedoch in den nächsten Wochen jeden Montag einen Wettkampf statt Trainingslauf. Die Sache gefiel mir trotzt enormer Anstrengung, denn einen Vorteil hat es, man lässt sich nicht hängen und zieht die Sache durch. Zwischenzeitlich ist die Kondition so gut, dass die Luft auch noch zum Reden reicht.

 

Bahntraining. Auf in die Höhle des Löwen. Ich wurde freundlich von allen begrüßt. Der Trainer, dieser gut aussehende junge Mann Namens Geart, immer gut gelaunt und mit einem Strahlen auf dem Gesicht, hieß mich in der Runde herzlich willkommen. Später stellt sich dann noch heraus, dass Geart unheimlich schnell ist und einen  Laufstil an den Tag legt, dass man aus der Bewunderung gar nicht herauskommt.  Was sollte jetzt noch schief gehen. Nach einer Kurzeinweisung begann die Aufwärmphase. 30 – 40 Minuten leichtes Traben, mit gymnastischen Einlagen, verschiedenen Lauftechniken, seitliches Laufen, (brauchte ich noch bei  keinem Wettkampf) Temposteigerungen von 80, 90 auf 100 % (für mich 100, 110, und 120 % oder mehr). Doch dann ging es richtig zur Sache. Wenn ich mich recht erinnere, waren es verschiedene Strecken (200 -1000 Meter und zurück). Ferdi hat die Angelegenheit mit mir gleich durchschaut und an diesem Abend die „Seniorenbetreuung“ übernommen. Danke Ferdi. Völlig platt zu Hause ankommen habe ich an meinen Freund eine Mail geschickt mit dem Trainingsablauf und dem Schlusssatz, ob ich mir das weiterhin antue, weiß ich noch nicht. Ich habe es mir weiterhin angetan, und ich glaube, es war gut so. Sicherlich habe ich auch unseren Trainer damit überrascht, dass ich in der nächsten Woche wieder dabei war. Natürlich kann ich mich nur im Rahmen meiner Möglichkeiten bewegen, auch wenn man auf 6000 Meter von Geart, Thomas oder Holger 3-mal überrundet wird. So ziehe ich halt mit meinen  treuen Begleitern ( Nadia, Tanja oder Marlene) meine Runden. Aufmunternde Worte von Geart: Gut so, bleib dran, sieht gut aus, schön, usw. fordern dann von einem das Letzte.

 

Einige Wochen Bahntraining sind hinter mir, der  Sparda-Lauf im August steht an.

Wird sich mein Training schon auszahlen?  Mieser Start, 15 Sek. gebraucht bis ich über die Startlinie war. Tempo verschleppt, trotzdem gutes Gefühl, einen Endspurt konnte ich sogar hinlegen, war jedoch mit der Zeit trotz PB von 53:58 irgendwie nicht zufrieden, hatte mehr erwartet.

 

September, Treidelpfad Augustfehn. Aussage von Rita, dort bekommt fast jeder einen Pokal, also auf  nach Augustfehn, denn einen Pokal hatte ich noch nicht.

Mörderische Hitze, Temperaturen fast bis zu 30 Grad. Meine Vorstellung, mit Tanja und Sigrid mitzulaufen, denn die schaffen schon mal die 50 Minuten Grenze, schlug nach der Hälfte der Strecke fehl. Sigrid wartete auf Tanja, so lief ich den Rest alleine und das wieder in PB von 52:18. (Obwohl Läuferinnen 22 Minuten langsamer waren als ich und noch einen Pokal erhielten, reichte es für mich nur zum 5 Platz in der AK. (Gedanken an Geschlechtsumwandlung sind mir trotzdem nicht gekommen).

 

Herbstlauf Ofen. 3 Runden mit  Publikum sind nicht schlecht, die Zeit war jedoch noch besser, PB 50:31. Nahe dran an der Schallmauer von 50 Minuten, denn  ich war  fast 2 Minuten schneller als beim Treidelpfad.

 

Oktober, City-Lauf in Oldenburg. Eigentlich ging alles normal los. Unterwegs meinte Rita, „Georg, wenn du die 50 noch knacken willst, musst du noch wohl etwas drauflegen“ und entschwand. So lief ich halt meine Runden und war kurz vor dem Einbiegen in den Innen-stadtbereich  bei einer Zeit, die die 50 Minuten-Marke nicht mehr unterboten hätte. Trotzdem wurden die Schritte noch länger, und das Ziel auf dem Schlossplatz  war in Sichtweite. Ein Blick auf die Uhr sagte mir, dass es eventuell doch noch reichen könnte. 100 Meter vor dem Ziel rebellierte der Magen (siehe Sandkruger Schleife). Aus dem Publikum kam ein Zuruf

„Georg, du schaffst es noch“. Jetzt gab es also zwei Möglichkeiten, entweder ich ko..... an die LzO, oder die Hand vor den Mund und weiterlaufen. Ich habe mich für letzteres entschieden. Resultat, PB in 49:49  Die Schallmauer war durchbrochen. Bei der Medaillenübergabe meinte die junge Dame noch einen Schritt zur Seite tun zu müssen, denn sie traute meinem Magen auch wohl noch nicht so recht, doch alles blieb ruhig. 2 Minuten später  war ich wieder fit.

 

Im Laufe der letzten Trainingsmonate hatte ich dann schon mal die 20 Kilometer getestet und war mit dem Ausgang doch recht zufrieden. Sollte ich doch mal einen Halbmarathon versuchen? Unter Ausschluss der TSG Läufer hatte ich mich in Stuhr angemeldet. Ich habe nicht gewusst, dass es im Raum Bremen auch viele Hügel gibt, so ging es also über Wald- und Feldwege, Straßen- und Kopfsteinpflaster dem Ziel entgegen. Kilometer 21 war in 1:59:00 erreicht, dann teilte sich der Weg, war jedoch nicht ausreichend ausgeschildert. Die Hoffnung, die letzten 100 Meter noch bis zur 2-Stunden –Grenze zu schaffen, schwanden. Pilzsucher, die ich nach dem Weg ins Ziel fragte, konnten mir auch nicht weiterhelfen. So habe ich dann eine Zwangspause eingelegt, auf die nachfolgenden Läufer gewartet, und mittels Mehrheitsbeschluss den Weg rechtsherum gewählt.  Obwohl der Weg richtig war, betrug die Strecke bis zum Ziel nicht mehr 100 Meter, sondern noch 500 Meter. Solche Tatsachen sind unheimlich „gut“ für die Psyche.  So wurden aus den greifbaren 2 Stunden halt 2 Stunden und 6 Minuten. (Es wurde mir dann von offizieller Seite bestätigt, dass die Strecke als Cross-Strecke ca. 21,5 km sei).

„Mehr als 21,5 Kilometer will ich aber nicht.“ (oder?)


Bleibt ein Fazit dieses ersten Jahres zu ziehen.

Es macht mir einfach Spaß. Ich habe eine tolle Truppe bei der TSG Leichtathletik vorgefunden. Mein körperliches Befinden hat sich verbessert, und  ein wenig Stolz bin ich auch auf die von mir gebrachte Leistung. Vielleicht ist noch eine kleine Zeitverbesserung im nächsten Jahr drin, denn solange ich, wie z.B. in Ofen oder beim City-Lauf,  kurz vor dem Ziel noch von  Läufern der AK 70 überholt werde, kann man ja noch an sich arbeiten.

 

Bei dieser Gelegenheit möchte ich noch ein Wort über die TSG Leichtathletik –Gruppe verlieren. Beim Blättern der Chronik stellt man fest, wie bescheiden doch die eigenen Leistungen im Vergleich zu vielen anderen Ergebnissen stehen. Dort werden von den Jugendlichen hervorragende Zeiten erzielt. Dann werden  im Erwachsenenbereich Marathonzeiten von unter 3 Stunden erreicht. Einige laufen sogar 70 ja 100 Kilometer. (Und wir holen die Brötchen mit dem Auto vom Bäcker). Andere fahren 24 Stunden  am Stück Fahrrad.  Hut ab – Gratulation.

 

Georg Wulfekuhl                                                                                                                                                      

 

 

 

 

 

Anzahl der Besucher 

147346