Mein erster Marathon - Bremen 2007 

30.9.2007 gegen 9 Uhr stehe ich im Startblock mit einer Vorgabe von 4:29:00, um meinen ersten Marathon anzugehen. Ein Blick nach hinten verrät, dass ich einen Tempoläufer mit 4:30 auf dem Ballon und dahinter einen  mit 4:15 entdecke. Gehen die Uhren in Bremen anders? Vom Moderator auf seinem 4 m hohen Podest höre ich die Durchsage: „Und hier sehe ich auch Jürgen Lakeberg vom TSG Hatten-Sandkrug. Jürgen du bist doch erst vor einigen Wochen bei den Duathlon-Weltmeisterschaften in Zofingen 3. in deiner Altersklasse geworden…“

Ja, wenn man erst einmal so weit ist, dass man vom Moderator persönlich begrüßt wird, dann ist man schon weit gekommen.

 

Rückblick: Bereits im Jahre 2006 wollte ich meinen ersten Marathon in Hamburg laufen. Mit einigen HM-Daten fragte ich unseren Trainer Geart, ob ich hiermit auch Marathon laufen könnte. Antwort:“ Willst du denn Marathon laufen?“ Also kommt es nicht so sehr auf das Können, sondern auf das Wollen an. Wo er Recht hat, hat er nun mal Recht. Die Marathonblase zerplatzte mit Knieproblemen in der Vorbereitungsphase. War es ein Hinweis von oben, dass 60-jährige nicht mehr ihren 1. Marathon laufen, sondern sich lieber um Enkelkinder (nicht vorhanden) kümmern, oder sich im Sessel den „Musikantenstadel“ anschauen (mag ich auch nicht) sollten? Die Tatsache, dass ich in meinem ersten Laufbericht mal geschrieben habe: „Mehr als 5 km will ich aber nicht“, zwischenzeitlich aber ganz passable HM- Zeiten gelaufen bin, versuchte ich das Thema Marathon abzuhaken. 

 

Die Saison 2007 startet. Der erste 25 km Vfl-Lauf fällt trotz Meldung einem Fieberschub am Vorabend zum Opfer. Fängt ja gut an die Saison! Was mich jedoch viel mehr beschäftigt, ist die Tatsache, dass das Thema Marathon einfach nicht aus meinem Hinterkopf will. Anlässlich der Sandkruger Oscar-Verleihung (TSG Weihnachtsfeier) auf der ich ja wohl schon für mein „Lebenswerk“ geehrt wurde, sprach Laudatorin Rita E. ja noch davon „ sich den Traum des 1. Marathons zu erfüllen.“ Was war die Folge, ich meldete mich für den Bremer Marathon an.

 

Den 3-Monatstrainingsplan von Dieter M. galt es ab Anfang Juli abzuarbeiten.

Es verlief alles unproblematisch, die 2 Strecken über 32 km lief ich jeweils in einer Zeit von 3:17:00. Für mich war klar, den Rest bekomme ich auch noch hin, egal wie. Zu den 560 km in der Vorbereitung kam noch die obligatorische 110 km Inlinertagestour Anfang September von Oldenburg über Brake etc. nach Bremen. Passte vielleicht nicht unbedingt in die Vorbereitungsphase, diese Tour war aber auch schon langfristig gebucht. Alles gut überstanden, Bremen konnte kommen.

Zurück zum Start. Trotz feuchtem Wetter ist zu den ersten 30 Kilometern nicht viel zu sagen. Ich fühlte mich gut, war an eine Gruppe geraten, die sehr konstant eine Zeit von 6 Min. lief, was auf eine Endzeit von 4:15:00 hinauslief. War das für mich wirklich realisierbar? Bei Kilometer 30 stoppte ich  3:01:24. Doch dann kam der Abschnitt dessen Erfahrung ich im Training ja noch nicht gemacht hatte. Es wurde schwerer, Kilometer 35 in 3:38:02, die Kilometerleistung fiel auf 7:20 Min. Ich glaube der Hammermann war da. Es begannen die Leiden des „alten W“. Gehpausen wechselten sich mit kürzeren Laufpassagen ab. Der Durchlauf durch das Weserstadion wäre fast zu einer „Betriebsbegehung“ geworden. Mein Umfeld hatte dieselben Probleme, und der Hinweis, man sieht sich im Leben immer 2-mal, trifft hier nicht zu. Wir haben uns sicherlich wohl 10-mal getroffen (wenn der eine ging, lief der andere, usw.). Das Ziel, 4:30:00 zu erreichen, schien nicht mehr so ganz realistisch. Kilometer 40: die Zeit 4:16:57. Was ich mir mein Leben lang nicht habe träumen lassen, für die letzten 2,1 km brauchte ich 17:30 Minuten.

Nach der letzten Gehpause war das Ziel in Sichtweite, Jupp und Hedwig feuerten mich noch kurz an und ich  lief!! durchs Ziel.

4:34:26

Wo waren die hochgerissenen Arme mit dem Victory Zeichen? Nichts von dem! Platt wie eine Flunder ließ ich mir von der Dame im Zielbereich gratulieren und die Medaille umhängen. Sicherlich hat sie angenommen, ich hätte einen Todesfall in der Familie, so schätzte ich meinen Gesichtsausdruck ein. Unzufrieden und enttäuscht, sich allein fühlend, saß ich nun im Zielbereich des AWD Domes auf einem Betonpoller, einen Becher nicht schmeckendes Mineralwasser in der Hand, und musste meinen Gefühlen erst einmal freien Lauf lassen. (Wie mir Markus W. im Nachhinein bestätigte, gehört das auch dazu). Das war es nun, das große Marathon Erlebnis. Nichts von Glücksgefühlen, warum eigentlich nicht? Die Antwort darauf konnte ich mir erst Stunden später geben. 

Die Zeit konnte es nicht sein, die geplanten 4:30:00 habe nur knapp verfehlt, und der jüngste bin ich ja auch nicht mehr (extra Hinweis für Rita). Meine Unzufriedenheit habe ich darin gefunden, dass ich dermaßen enttäuscht und frustriert war über den Verlauf der letzten 10 Kilometer. Obwohl die Kondition da war, die Beine wollten einfach nicht mehr. Nie habe ich mir vorstellen können, dass man auch in langsamster Laufart nicht mal mehr 1000 Meter im Stück bewältigen kann. Doch zu schnell angegangen, statt 6 Minuten lieber 6:30 Min.

Hätte ich dann die Strecke länger laufend durchgestanden?  Diese Frage kann ich mir nur beim nächsten Mal selber beantworten.

Keine Blase am Fuß, keinen Muskelkater in den nächsten Tagen.

Mit ein wenig Stolz und auch Zufriedenheit kann ich meinen ersten Marathon abschließen.

Vorbildfunktion für die „ jungen Wilden“, Roger, Stephan, Hartwig, Gerd-Uwe usw., traut euch!

 

Georg Wulfekuhl

 

 

 

 

 

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