Mein Hannover Marathon

  

Schon im April 2015, direkt im Ziel des Hamburg-Marathons, entstand die Idee, im Jahr 2016 beim  Hannover-Marathon zu starten. Oder besser: Ramona hat mich dazu überredet. ;-) Gesagt, getan. Wir haben uns somit schon ein dreiviertel Jahr vorher bei dem Event angemeldet und auch gleich das Hotelzimmer gebucht. Was dann im Laufe der Monate total schön war, war dass sich mehr und mehr TSG´ler dazu entschieden haben, mit uns nach Hannover zu fahren. Die meisten, um dort einen Halbmarathon zu laufen, aber auch Marathonis waren dabei. Die Vorfreude stieg und Anfang Februar begann endlich das Marathon-Training. Der 4h-Steffny-Plan sollte es diesmal sein. Mal ein bisschen weniger tun. Schauen, ob man mit weniger Kilometern nicht sogar genau so weit kommen kann. Ein Experiment also.


Das Training lief sehr gut und ich hatte nicht das Gefühl überfordert zu sein. Die 10 km Testläufe im Rahmen des Trainings liefen spitze (51 und 49 min) und für den Halbmarathon-Testlauf sind wir sogar extra nach Münster gefahren, um uns dort zu quälen. Auch dieser Lauf klappte erstaunlich gut. Mit einer Zielzeit von 1h49 wuchs mein Selbstbewusstsein und ich beschloss, in Hannover beim  Marathon nun doch zu versuchen, die 4-Stunden-Marke zu knacken.  Mein großer Traum! Kaum hatte ich mich dazu entschieden, gab es aber leider ein paar Rückschritte im Training. Den 32-km-Lauf (der längste im Plan) musste ich leider wegen Atemnot abbrechen. Danach hab ich mich dann noch erkältet, so dass ich noch einen weiteren wichtigen Lauf ausfallen lassen musste. Ich beschloss, trotzdem alles auf eine Karte zu setzen. Was hatte ich zu verlieren? Dies würde mein 7. Marathon sein. Da kann  man ruhig mal was riskieren. Ramona, meine „Laufschwester“  blieb bodenständiger, und strebte einen Kilometerschnitt von 5:50min für den Marathon an. Bei mir sollte es ein 5:40er Schnitt sein.


Am 9. April 2016 war es dann so weit. Wir fuhren nach Hannover. Nach dem Einchecken ins Hotel, haben wir uns erstmal auf das Marathongelände begeben, um unsere Startnummern abzuholen und ein bisschen auf der Messe zu stöbern.  Das war ein schöner Einstieg. Einige Sandkruger waren schon früher angereist, um Hannover unsicher zu machen, einige kamen erst später im Hotel an. Abends haben wir uns dann alle zum gemeinsamen Abendessen getroffen.  Mittlerweile war ich schon etwas aufgeregt. Wir gingen alle früh ins Bett und verabredeten uns für den nächsten Morgen zum „Fotoshooting“ in der Hotel-Lobby. Die Nacht verlief für mich relativ gut, außer dass ich schon um ca. 4 Uhr wach war und nicht wieder einschlafen konnte. Um kurz vor 6 habe ich mir dann im Hotelzimmer mein Frühstück gemacht. Einen Toaster hatte ich dabei, so dass ich 2 Scheiben Toast mit Butter und Honig gegessen und dazu ein bisschen Saft getrunken habe. Die Banane, die ich mitgebracht hatte, konnte ich allerdings nicht mehr herunterbekommen. Aber ich war froh, dass ich trotz Aufregung überhaupt etwas essen konnte. Alles gut also. Nun musste ich mich langsam anziehen und die Tasche für die Kleiderbeutelabgabe packen.  Dabei vergaß ich komplett, dass eigentlich ein  Toilettengang vorm Marathon sinnvoll gewesen wäre. Nun ja, wird schon schiefgehen. Fertig angezogen verließ ich aufgeregt das Zimmer, um die anderen unten zu treffen. 


Doreen und Guido waren schon da und begrüßten mich. Nun ging es los: Aufregung pur! Tausend Fragen schossen durch meinen Kopf. Hab ich mir zu viel vorgenommen? Habe ich die richtige Kleidung ausgewählt? Was ist, wenn ich zwischendurch auf die Toilette muss? Fragen über Fragen… Aber es gab kein Zurück mehr. Nach dem Foto verließen wir, Ramona, Mark, Ralph und ich, um kurz vor 8 das Hotel. Die anderen gingen zum Frühstück, da der Halbmarathon erst später startete. Wir benötigten zu Fuß ca. 10 Minuten zum Startbereich. Worüber wir uns in der Zeit unterhielten, weiß ich nicht mehr. Beim Start war noch nicht besonders viel los. Wir schlenderten herum und sahen uns ein bisschen um. Am Artiva-Stand, gab es dann ein lautes Kreischen. Die Firma Artiva hat für Ramona und mich 2015 unsere Laufschwestern-Shirts gestaltet. Nun war eine Abbildung unserer Shirts direkt auf der Titelseite des Flyers von Artiva und ebenfalls auf der Innenseite. Wahnsinn! Wir waren völlig begeistert! Nach einem Besuch der Dixi-Toiletten (nur Pipi ;-)), beschlossen wir unsere Kleiderbeutel abzugeben. Wir zogen blaue Müllsäcke über, damit wir nicht frieren und gaben alles, was mir nicht beim Lauf benötigten, ab. Neu war nun für mich das Asthmaspray. Nach der Atemnot beim längsten Trainingslauf, war ich beim Lungenfacharzt, der ein allergisches Asthma diagnostizierte. Brav hatte ich also das Spray dabei, obwohl es in der Hosentasche piekste.  Im Startbereich trafen wir dann noch ein paar bekannte Gesichter. Ein paar der Huntloopers waren ebenfalls am Start, sowie ein bekannter Läufer aus Oldenburg.  Aufgeregt begrüßten wir uns und wünschten uns gegenseitig viel Glück. Nach kurzer Zeit kam dann schon das Startsignal und alle liefen los. Ich sah auf meine Uhr und kontrollierte auf den ersten Kilometern immer wieder meine Geschwindigkeit. Ein bisschen zu schnell war ich unterwegs und musste mich ständig bremsen. Meine Laune war gut und ich hatte das Gefühl locker zu traben.  Am Straßenrand standen nicht so viele Menschen zum Anfeuern, wie in Hamburg, aber das störte mich nicht. Ich hatte Laune, machte mir allerdings insgeheim schon Sorgen, ob ich das Tempo halten könne. Ich genoss den Lauf und fragte mich, wo ich wohl zum ersten Mal unsere anfeuernden Männer treffen würde. Auch ein befreundetes Paar aus Sandkrug (Marianne und Reinhard) wollten nach Hannover kommen, um dabei zu sein.


Irgendwann war es dann so weit. Laute Rufe in weiter Ferne am Straßenrand.  Jörg und Lars! Auch wenn ich da schon spürte, dass ich meine gewünschte Zielzeit wohl nicht erreichen werde, gab mir die kurze Begegnung einen Schub. Kurze Zeit später sah ich dann auch Marianne und Reinhard jubelnd am Straßenrand stehen. Toll!!! Es machte Spaß und lenkte mich ab, von nun an genauer in die Menschenmengen zu schauen, um die vier wiederzusehen. Das passierte auch noch ein paar Mal. Mir ging es mittlerweile nicht mehr so gut, denn meine Oberschenkel waren schwer wie Blei. Warum nur? Als ich die Männer beim nächsten Mal sah, ging ich ein Stück, und genau in diesem Moment wurde ich von Ramona überholt. Sie hielt kurz inne, als sie mich sah. Ich hatte Angst, dass sie nun ebenfalls ins Gehen kommen könnte und rief ich ihr zu dass sie ruhig weiterlaufen soll.  Das tat sie zum Glück auch. Mithalten konnte ich mit ihr nicht mehr, so dass sie sich mehr und mehr entfernte.

Bei Kilometer 26 passierte dann etwas, was mir den Rest des Marathons einfacher machte. Ich gabelte einen Mann auf, Marco, der gerade aufgeben wollte. Wir gingen ein Stück gemeinsam und ich fragte ihn ein bisschen aus. Dies war sein erster Marathon und er hat sich erst am Vortag dazu entschieden in Hannover zu laufen. Trainiert hat er natürlich nicht. Typen gibt´s! Überhaupt ist er noch nie weiter als die Halbmarathonstrecke gelaufen. Ich musterte ihn etwas und beschloss, dass er noch nicht zu müde aussah, um den Marathon zu schaffen.  Ich ermutigte ihn, nicht aufzugeben, rechnete ihm vor, wie schnell (oder langsam) wir laufen können, damit wir noch in unter 5 Stunden das Ziel erreichen. Das ist machbar! Somit waren wir ein Team. Ich brauchte ihn, er brauchte mich. Wir zogen das Ding von nun an gemeinsam durch. Ohne Stress. Gehpausen waren erlaubt. Zwischendurch sind wir aber auch immer wieder recht ordentlich gelaufen. In dieser Phase kam leider auch zweimal die Atemnot bei mir wieder. Das mitgenommene Asthmaspray half mir aber recht schnell. Daran gedacht, diesen Marathon aufzugeben, habe ich allerdings zu keiner Zeit. Das habe ich bereits hinter mir (Löningen 2012). Das mache ich nicht nochmal. So lange ich mich irgendwie weiter fortbewegen kann, gebe ich nicht auf! Das habe ich Ramona und auch mir selbst versprochen.  Allerdings überlegte ich, ob dies nicht besser mein letzter Marathon sein sollte. Meine Zielzeit verschlechtert sich von Jahr zu Jahr. Vielleicht ist Marathon einfach nichts für mich. Meinen Traum, einmal einen Marathon in unter 4 Stunden zu laufen, begrub ich an diesem Tag. Ich muss von nun an damit leben, dass 4h08 meine Lebensbestzeit bleiben würde. Und es gibt wirklich schlimmeres.  Marco und ich unterhielten uns, tranken Wasser und Cola und aßen Bananen an den Verpflegungsstationen, gingen und liefen…und gingen und liefen….zwischendurch überholte uns Ralph, den ich schon erwartete……und plötzlich, war das Ziel nur noch einen  Kilometer entfernt.  Klasse! Da war uns klar, dass wir es schaffen würden (übrigens ohne Toilettengang!), und zwar nicht nur ganz knapp unter 5 Stunden. Mit einer Zeit von 4h46 liefen wir über die Ziellinie. Was für ein Gefühl! Stolz nahmen wir unsere Medaillen entgegen und gingen ein Stück weiter in den Nachzielbereich. Die Verpflegung dort war allerdings enttäuschend. Lieblose Haufen von Apfel- und Bananenstücken auf den Tischen und aufgerissene Plastikverpackungen mit Minisalamis sollten unsere Zielverpflegung sein. Wir nahmen uns ein wenig davon und holten uns dann unser wohlverdientes Erdinger ab.  Marco hielt zu der Zeit schon Ausschau nach seiner Freundin, die er auch sehr schnell fand. Durch den Zaun unterhielten wir uns. Sie konnte es kaum fassen, dass Marco es wirklich geschafft hatte. Auch ich wollte nun „meine Leute“ suchen und verabschiedete mich von Marco und seiner Freundin. Vielen Dank, Marco! Durch Dich hatte der Marathon einen Sinn und mir fiel das Durchhalten viel viel leichter.


Nun galt es, in dem Gewusel Ramona und Ralph zu finden. Ich beschloss, zu den LKW´s zu gehen, bei denen wir unsere Kleiderbeutel abgegeben haben und hatte Glück: Da waren sie! Gesund und wohlbehalten. Auch unsere Männer kamen schnell dazu, so dass wir, nachdem wir uns etwas Warmes angezogen hatten, mit einem Spaghettieis und/oder Bier feiern konnten. Langsam gingen wir zum Hotel zurück, wo wir dann auch alle anderen TSG-Läufer trafen. Das gab ein großes „Hallo“! Wir umarmten uns und fragten uns gegenseitig, wie es gelaufen ist. Eine tolle Stimmung! Ramona, Ralph und ich gingen dann duschen, während die anderen über das Kuchenbuffet herfielen. Irgendwann wollte dann jeder nur noch nach Hause und wir verabschiedeten uns und traten die Heimfahrt an.


Ein tolles Event mit lieben Menschen! Ein verkorkster Marathonlauf muss also nicht zwangsläufig eine schlechte Erfahrung sein.

Dank Euch allen, werde ich diesen Marathon nie vergessen!


Nicole

 

 

 

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