"The World's Biggest Triathlon"

Während ich im Frühjahr 2016 ein paar Wochen an einer Muskelzerrung im Oberschenkel laborieren musste, gab mir meine Liebe den Rat, mir für Zeiten, an denen ich nicht Laufen kann, eine Alternative zu suchen. Ich würde doch grundsätzlich gerne Rad fahren…
Was sie damit auslöste, kann man vielleicht schon ahnen.

So kam es, dass ich einen Bekannten, der sich in der Rennrad-Szene auskennt, fragte, ob er zufällig jemand wüsste, der ein Rennrad zu verkaufen hat.
Schon in dem Moment stand der Verkäufer meines 1. Rennrades vor mir.

Im Herbst 2016 habe ich somit meine ersten Kilometer auf dem Rennrad gesammelt. Im Frühjahr des darauffolgenden Jahres, ergab es sich, dass der Bekannte, der mir das Rad verkaufte, eine neue Trainingsgruppe in der TSG Hatten-Sandkrug ins Leben gerufen hat: Die Rennrad-Einsteiger. Das passte, denn ich war bzw. bin ja Einsteiger. Nach einem Technik-Training, in dem wir auch einige Zeichen und Verhaltensweisen lernten, ging es nun wöchentlich in einer größeren Gruppe auf die Straße. Toll!


Kurz darauf erfuhr ich, dass eine liebe Lauffreundin bereits einen Triathlon absolvierte und geplant hatte bald zu einer Sprint-Distanz im ostfriesischen Grootegaste zu starten.
Das war bei mir die Zündung, da wollte ich mitmachen!

Die Anmeldebestätigung im E-Mail-Postfach war ich nun im Zugzwang: Nun musste auch noch die 1. Disziplin beim Triathlon, das Schwimmen, trainiert werden. Da ich allerdings nie gelernt hatte zu kraulen, beließ ich es beim Brustschwimmen.


Es war ein sehr schönes Erlebnis, mein 1. Triathlon in Grootegaste. Ebenfalls im Jahr 2017 absolvierte ich auch meinen 2. Triathlon, auch in der Sprint- (Volks-) Distanz, bei den Bären in Bad Zwischenahn.

Mit diesen Erfahrungen ging es in den Herbst und die Winterpause. Am Jahresende, während unserer Treffen zum Organisieren der Sandkruger Schleife, erfuhr ich, wieder von meiner lieben Lauffreundin, vom der weltgrößten Triathlon-Veranstaltung in Hamburg – es zündelte wieder…

Nach ein paar Tagen Überlegung war mein Entschluss gefasst: Es sollte beim Hamburg Wasser World Triathlon am 17. Juli die Olympische Distanz sein: 1,5 KM Schwimmen, 40 KM Rad fahren und 10 KM Laufen! Voller Euphorie und Vorfreude habe ich mich angemeldet.

Das Frühjahr verging wie im Flug und im März haben wir, wie in jedem Jahr, ein tolles Lauf-Trainingslager absolviert. Davon sehr motiviert habe ich mir kurz danach im Training wahrscheinlich etwas übermotiviert eine Meniskusreizung zugezogen. Der Besuch beim Orthopäden brachte zwar nicht sofort die Linderung aber eine Manschette fürs Knie und lange vermisste Einlagen für die Schuhe…
Ein paar Bedenken hatte ich schon in das 12-wöchige Trainingsprogramm „Finish with a smile“ einzusteigen, aber ein Sportverbot hatte ich ja nicht bekommen…

Nachdem ich während des Programmstarts keine wesentliche Beeinflussung gespürt habe, habe ich nach einer intensiven Trainingseinheit den Entschluss gefasst das Programm durchzuziehen.

Und es hat sich gelohnt!

Ich kann schon sagen, dass ich das Laufen besonders mag, aber der Mix aus Schwimmtraining, Radfahren und Laufen, gepaart mit dem wöchentlichen Zirkeltraining unseres Trainers, verschafft eine Fitness, die sich echt prima anfühlt.


So vergingen die Trainingswochen und Hamburg rückte näher. Bestätigt wurde mein Trainingsfleiss noch durch 2 Sprint-Triathlons, die ich in Peine und am Jümmesee nahe Leer absolvierte.

Man kann sich vorstellen, dass eine Veranstaltung wie der weltgrößte Triathlon nicht an einem Tag durchgeführt wird. So wurden am Samstag die Sprint-Distanzen gestartet, am Sonntag die Olympischen, sowie Staffel-Meisterschaften, wo auch Profis teilnahmen.

Am Samstag bin ich zusammen mit meinem Sohn Richtung Hamburg gestartet um rechtzeitig die Startunterlagen abzuholen und um die Unterkunft zu beziehen, die ich über Wimdu gebucht hatte und um schon einmal Triathlon-Luft zu schnuppern.

Die Auswirkungen, die so eine Veranstaltung mit sich bringt, haben wir auf unserem Fußweg zur Alster schon gespürt: Absperrungen wohin man schaute.

Bei der Akkreditierung auf dem Gänsemarkt lief alles wie am Schnürchen. Echte Profis am Werk. Schade war nur, dass schon am Samstag kein Finisher-Shirt mehr zu bekommen war…

Beim Spaziergang über den Jungfernstieg konnte man internationales Flair schnuppern. Dort waren viele Nationalitäten, die man beim Warmmachen beobachten konnte, unterwegs, die später an den Start gehen sollten.

Es ging zum Kohlehydrate sammeln: mittags eine kleine Portion Pasta, abends eine Pizza sollten meine Speicher füllen, denn direkt vor dem Wettkampf muss lediglich eine Portion Haferflocken reichen.

Mein Start war Sonntag um 8:20 Uhr. Um 7:00 Uhr machte ich mich mit (hoffentlich) allem, was ich brauchte, auf zur Wechselzone zum Einchecken. Das Wetter war prächtig, ich glaube 16‑17 °C, Sonnenschein. Dort angekommen, alles verlief reibungslos, platzierte ich mein Rad in der mir zugewiesenen Zone und checkte zigfach, ob alles am richtigen Platz wartete: Badekappe, Schwimmbrille, Fahrradhelm, -Brille, -Schuhe, Socken, Gel-Packs, Laufschuhe, usw.
Natürlich waren rechts und links von mir Athleten, die schon einiges an Erfahrung hatten – und diese auch preisgaben. Meistens Stories, die man besser nicht erleben möchte.

Nachdem ich das über mich ergehen lassen habe, ging es zu Start. Einmal durch die gesamte Wechselzone, den Ballindamm, über, ich glaube locker 500 Meter, zum Schwimmstart zum Jungfernstieg.

Dort angekommen traf ich meinen treuen Fan, meinen Sohn und seine Kamera. Die Zwei haben diesen und weitere tolle Momente für mich festgehalten.

Vor dem Start wurde meine Gruppe (ich glaube 120 Athleten) in die Warm-Up-Zone geführt. Hier gab es, durch lautstarkes Anheizen gemixt mit fetziger Musik, ein kurzes „Hampelmann-Programm“, dass wir aber alle vergnügt über uns ergehen ließen.

Ab ins Wasser. Alle 10 Min. wurde gestartet. Die Sprecher der Veranstaltung spielten Musik, die einem einen kalten Schauer über den Rücken laufen ließen, ich glaube bei unserem Start ACDC. Bald war es soweit, endlich kommt der Moment, auf den ich 3 Monate intensiv hintrainiert hatte.

Der Schwimmstart war unspektakulär und da ich meinem Motto „Finish with a smile“ folgen wollte, drängelte ich mich nicht nach vorne, sondern lies es behutsam angehen.
Natürlich habe ich mir Gedanken um die Wassertemperatur gemacht, es waren nur 19 °C und ich besitze keinen Neoprenanzug, aber beim Schwimmen empfand ich es als angenehm.
Die 1,5 KM waren ganz schön lang und insgesamt mussten wir unter 5 Brücken durchschwimmen. Von der Binnen- in die Außenalster und zurück waren es 4 und eine kurz vor dem Schwimmausstieg nahe dem Rathaus. Echt dunkel…

Das für mich Schwierigste war geschafft. Nach dem Schwimmausstieg ging es das erste Mal in die Wechselzone. Vom Ausstieg waren es ca. 600 Meter zu meinem Fahrrad.
Dann das ganze Fahrrad-Equipment an und auf die Straße. Mittlerweile, es war ca. 9:00 Uhr, hatte sich die Lufttemperatur bestimmt auf 22-23 °C erwärmt, es gab kaum spürbaren Wind.
Für mich Top-Bedingungen auf dem Fahrrad. Die Route führte uns vorbei am Hauptbahnhof (durch den Tunnel), an der Speicherstadt entlang, Landungsbrücken, St. Pauli Hafenstraße, -Fischmarkt, zur Palmaille und wieder zurück. Das Ganze 3 Mal für mich. Es war ein Genuss unter diesen Bedingungen, mit diesen Mitstreitern über Hamburgs Straßen zu schweben. Echt klasse.
Unterwegs gab es sogar 2 Gelegenheiten zu quatschen, einmal mit einem Hamburger und mit einem Londoner, der eigens für diesen Triathlon angereist war.

Nach meiner Rückkehr mit dem Rad ging es in die Laufschuhe. Wieder ganz durch die Wechselzone (500 M!) zur Laufstrecke. Hier ging es verhältnismäßig ruhig zu. Es war eine ebenfalls sehr schöne Strecke überwiegend auf der westlichen Seite der Außenalster, als Wendepunktstrecke ausgeführt.

Glücklicherweise habe ich recht zügig, nach ca. 1-2 KM meinen Rhythmus gefunden, der mich ins Ziel tragen sollte. Wichtig war es nun, vor lauter Euphorie nicht zu überpacen, denn vor mir lag noch geschätzt eine gute Stunde Laufen.

Beim Laufen war ich überwiegend in einem Tunnel, aus dem ich ab und zu herauskam, wenn eine Getränkestation nahte. Endgültig aus dem Tunnel heraus kam ich natürlich, als sich das Ziel näherte und besonders, als mein sich Personal Photograph zum wiederholten Male zeigte.
Der Zieleinlauf war „selbstlaufend“. Die Besucher am Rand der Strecke feierten jeden Finisher gebührend, so dass auch diese Momente unvergessen bleiben werden.

 

 

 

 

Alles in allem ein Mega-Event an dem ich sehr gerne wieder teilnehmen möchte!


Olaf Schwarze

 

 

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